Blutbild lesen – verständlich erklärt (Teil 1)

Viele Hunde- oder Katzenbesitzer sind mit dem Lesen und Verstehen eines Blutbilds Ihres Vierbeiners völlig überfordert. Es ist gespickt mit Abkürzungen lateinischer Fachbegriffe, die Normwerte sind nicht bekannt und auch nicht, was die abgekürzten Namen der Blutzellen bedeuten und welche Aufgaben die einzelnen Zellen haben. Je nach Labor fallen die Abkürzungen unterschiedlich aus. Ich erkläre Ihnen in mehreren Teilen leicht verständlich, wie Sie selbst ein Blutbild lesen und verstehen können.  Wie die Normwerte sind und was es für gesundheitliche Folgen haben kann, wenn die Werte zu hoch oder zu niedrig sind, erläutere ich Ihnen im weiteren Verlauf. Dabei versuche ich, möglichst wenig Fachbegriffe einzusetzen. Nehmen Sie sich ein Blutbild Ihres Hundes oder Ihrer Katze zur Hand und verfolgen Sie Wert für Wert.

Zusammensetzung des Blutes

Blut besteht aus einem flüssigen Bestandteil, dem Blutplasma, und festen Bestandteilen. Zu den festen Bestandteilen, den Blutzellen, gehören die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die weissen Blutkörperchen (Leukozyten) und die Blutplättchen (Thrombozyten).

Abkürzungen im Blutbild und was sie bedeuten

Blutkörperchen

LEUK oder WBC = Leukozyten = Weisse Blutkörperchen
ERY oder RBC  = Erythrozyten = Rote Blutkörperchen
THRO oder PLT = Thrombozyten = Blutplättchen
MPV = Maß für das mittlere Thrombozytenvolumen
HG oder HGB = Hämoglobin = roter Blutfarbstoff
HKT oder HCT = Hämatokrit = feste und flüssige Bestandteile des Blutes
MCH = Durchschnittlicher Gehalt an Blutfarbstoff der einzelnen roten Blutkörperchen
MCV = zeigt die Größe der roten Blutkörperchen an
MCHC = Mittlerer Gehalt des roten Blutfarbstoffs am Gesamtvolumen der roten Blutkörperchen
RDW = Maß für die Volumenunterschiede der einzelnen roten Blutkörperchen
GRANS = Granulozyten gehören zu den weissen Blutkörperchen und sind Teil des Immunsystems
LYM = Lymphozyten gehören zu den weissen Blutkörperchen. Sie wehren Krankheitserreger ab.
MONO = Monozyten = Fresszellen = weisse Blutkörperchen, die zur Immunabwehr gehören.

Nieren- und Leberwerte

BUN = Blutharnstoff/Stickstoff entsteht beim Abbau von Eiweißen (Proteinen)
CREA = Kreatinin = Abbau des Muskelstoffs Kreatin, der über die Nieren ausgeschieden wird
SDMA = Messwert für die Früherkennung von Nierenerkrankungen
A/G Quotient = Albumin-Globulin-Quotient = Messwert zur Bestimmung von FIP bei Katzen
PHOS = Phosphat = Salz der Phosphorsäure, das im Knochen gespeichert wird
CA = Calcium = Mineralstoff, der größtenteils im Knochen gespeichert wird
NA = Natrium = Mineralstoff, der den Wasserhaushalt im Körper reguliert
TBIL = Bilirubin = Beim Abbau des roten Blutfarbstoffs entsteht gelbes Bilirubin
CK = Kreatinkinase = Enzym, das für den Energiestoffwechsel der Muskelzellen wichtig ist
GPT oder ALT = Leberenzym
GOT oder AST = Enzyme, die in den Leberzellen und im Herzmuskel vorkommen
y-GT oder GGT = Enzyme, die sich an den Zellwänden der Leber und in den Gallengängen sammeln
GLDH = Enzym, das sich hauptsächlich in den Leberzellen befindet
GESAMTEIWEISS = alle Proteine des Blutplasmas
ALKP (auch AP oder ALP) = Alkalische Phosphatase = Enzym in Leber und Knochen
GLU = Glucose = Blutzucker
CHOL =  Cholesterin = Blutfett, das der Körper selbst herstellt
TRIGLYCERIDE = Blutfette
TP = Totalprotein = Gesamtprotein
ALB = Albumin = Bluteiweiss
GLOBULIN = Speicherproteine, deren Hauptbildungsort in der Leber sitzen

Bauchspeicheldrüsen- und Schilddrüsenwerte

Alpha-AMYLASE = Enzym, das Stärke in Zucker aufspaltet
LIPASE = Enzym, das Fette in deren Bestandteile zerlegt
FRUKTOSAMIN = Wert, der die Stoffwechseleinstellung bei Diabetes über eine längere Zeit ermittelt.
TSH, T3 und T4 = Blutwerte für die Schilddrüsenhormone

In meinem nächsten Beitrag (Teil 2) erkläre ich Ihnen etwas ausführlicher, welche Funktion die einzelnen Zellen genau haben.

© Tierheilpraxis Elisabeth Caspers

Blutbild lesen – verständlich erklärt (Teil 2)

Blutbild lesen – verständlich erklärt (Teil 1)

11 Gedanken zu „Blutbild lesen – verständlich erklärt (Teil 1)

  • Pingback:Blutwerte beim Hund » Tierischehelden.de

  • 17. Oktober 2019 um 11:34
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    Vielen herzlichen Dank für die tolle Aufschlüsselung der Blutwerte. Das hat mir sehr geholfen. Ich habe das gleich mal ausgedruckt zu unseren Akten gelegt, so habe ich das immer offline parat.

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  • 10. November 2019 um 7:26
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    ich bedanke mich auch für die tolle Aufschlüsselung, würde mir aber gerne die Normalwerte z.B. Katze dazu wünschen. Wenn es heißt Bauchspeicheldrüse sei erhöht, anstatt 35, 72,2 weiß ich es nicht. Ansonsten könnt ich schauen, wo ist 35 normal. Danke

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    • 10. November 2019 um 10:53
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      Schauen Sie bitte mal auf „Blutbild lesen – verständlich erklärt (Teil 5) – da finden Sie die Referenzwerte für Hunde und Katzen. Bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse zeigen sich u. a. Veränderungen bei Lipase, Amylase, Albumin und Glucose – je nach Krankheitsbild.

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  • 11. Januar 2020 um 11:03
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    Liebe Frau Caspers,
    was für eine tolle Lesehilfe, herzlichen Dank, dass Sie diese Analyse hier so zur Verfügung stellen. Ich bin begeistert!

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    • 11. Januar 2020 um 14:16
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      Liebe Frau Bengsch, herzlichen Dank für das tolle Feedback! Es freut mich sehr, wenn meine Blogbeiträge hilfreich für alle Hunde- und Katzenbesitzer sind – so ist sind sie auch gedacht.

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  • 11. Februar 2020 um 13:22
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    Vielen Dank für diese verständliche Aufschlüsselung! So kann man sich auch als Laie etwas mehr in die Materie einlesen und kann vor allem bei chronischen Erkrankungen die Entwicklung der Werte besser verfolgen!

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  • 29. April 2020 um 20:11
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    Ganz tolle Auflistung und Erklärung – super übersichtlich und sehr nutzerfreundlich gemacht. Herzlichen Dank dafür!!!

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    • 30. April 2020 um 9:51
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      Vielen Dank für das positive Feedback!

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  • 16. Juni 2020 um 9:58
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    Danke für die Erklärung. Ich habe bei meiner Katze heute auch eine Blutuntersuchung machen lassen. In der Tierarztpraxis hatte man mir dazu geraten, da nicht klar war, was meiner Katze fehlt. Sie wirkt kränklich. Sie ist schon 11, vielleicht liegt es auch am Alter.

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  • 13. August 2020 um 22:55
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    Danke für diesen tollen Beitrag für Hunde-und Katzenbesitzer!
    Auf diese Weise konnte ich den Blut-Befund meines Hundes vorab lesen und bei der Besprechung in der Tierarztpraxis gezielte Fragen stellen. Die Antworten waren daraufhin sehr spezifisch und ausführlich.
    Mit Bewunderung meines Wissens, dass ich Ihnen verdanke.

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